Arbeit & Zeit

Gerade jetzt zur besinnlichen Jahreszeit gegen Ende des Jahres habe ich mich wieder einmal gefragt, wie Arbeit & Zeit so ineinanderspielt. Diese Zeit vor Weihnachten ist alles andere als besinnlich sondern zumindest in meinem Freundes- und Bekanntenkreis eine der hektischsten Zeiten im Jahreskreis. Und dabei meine ich nicht die Einkäufe und Besorgungen zur Vorbereitung des viel zu kommerzialisierten Geburtstagsfestes am 25. Dezember, sondern die klassische Arbeit in den Unternehmen. Aus welchem Grund auch immer weigern sich viele zu akzeptieren, dass auch nach dem 31.12. noch Tage kommen und deswegen muss alles „heuer noch“ fertig werden. Nachdem viele verstehen, dass rund um die Weihnachtsfeiertage Familie und Freunde Vorrang haben, komprimier sich der Workload im Dezember auf weniger Tage. Und da bin ich bei der Fragestellung der Überschrift: Ich bin davon überzeugt, dass der Faktor Zeit ein viel zu stark bewerteter (monetär für manche der einzige oder der am meisten gewichtete) Bestandteil bei der Beurteilung von Arbeit ist. Für viele Jobs ist dieser Automatismus jedoch längst obsolet. Es ist dies zum einen für die Unternehmen ein falscher Parameter für interne Kennzahlensysteme und gibt zum anderen an die Mitarbeiter falsche Signale. Immer mehr Firmen – mir ist bewusst das dies nicht in jedem Arbeitsbereich möglich ist – haben das bereits erkannt und verzichten zB. gänzlich auf die Aufzeichnung von Arbeitszeit oder versuchen die Durchrechnungszeiträume möglichst groß zu gestalten. Ich bin ein Befürworter dieses (viel zu langsam ablaufenden) Trends zur individualisierten Arbeits(zeit)gestaltung. Nachdem alles auch eine Kehrseite hat, soll auch darauf kurz eingegangen werden. Negative Folgen treten dann auf, wenn Personen mit der gewonnen Freiheit nicht umgehen können. An Universitäten ist man zB. gefordert sich die Arbeit selber einzuteilen, womit manche besser und manche schlechter zurecht kommen. Damit sind Bummel-Studenten genau so gemeint wie jene die sich Überschätzen und damit Überfordern. Jene die die Balance schaffen (und das sind bei weitem die meisten) blicken ihr ganzes Arbeitsleben auf diese schöne Zeit zurück. Das bedeutet sicher nicht, dass zu der Zeit weniger Leistung vollbracht wurde, sondern es hängt meiner Meinung auch damit zusammen, dass man die individuellen Rhythmen leben konnte und deswegen sogar leistungsfähiger war als in einem starren System. Die Tatsache, dass sich immer mehr Personen selbstständig machen, geht auch genau in diese Richtung. Unternehmer nehmen dabei auch die zahlreichen Gesetze in Kauf die diesen Freiraum zum Teil schon empfindlich beschränken. In diesem Sinne hoffe ich, dass das bekannte Begriffspaar „Effizienz und Effektivität“ anstatt von Absolutwerten nicht nur bei Energie-Ressourcen vermehrt zur Anwendung kommt, sondern auch bei Human-Ressourcen.

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